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Methodenspektrum für Bedarfsanalysen und Evaluation

Anders als in den stark formell geprägten Bildungsbereichen Schule und Hochschule treffen in der Erwachsenenbildung eine Vielfalt an Formaten und Strukturen und eine informell geprägte Lernkultur aufeinander. Durch das vermehrte Auftreten digitaler Angebote und durch digitale Medien unterstützte informelle Lernprozesse sind in der Erwachsenenbildung flexible Zugänge notwendig um das Lernen, die Lernenden und deren Bedürfnisse zu verstehen und schließlich bedarfsorientierte Angebote zu entwickeln, die die Lernenden in den Mittelpunkt stellen und individuelle Lernanlässe aufgreifen.  

Um bei dieser Entwicklung aktiv Impulse geben zu können, wenden wir unterschiedliche Methoden qualitativer und quantitativer Sozialforschung an. Diesen Methodenspektrum wird ergänzt  durch Methoden aus den Ansätzen des User Experience Designs oder der Usability-Forschung. Die Expertise dafür bringen wir aus Zusatzausbildungen, langjähriger Erfahrung und kritischer Auseinandersetzung mit. Gerade bei diesen nutzerzentrierten Ansätzen ist es uns wichtig Lernende als Expertinnen im eigenen Lernprozess und Erleben sowie das aktuelle (Lern-)Verhalten mit der zugrundeliegenden Motivation zu begreifen.

 



Beispielhaft werden hier angewandte Methoden des Projekts vhs-Ehrenamtsportal beschrieben:

Marktanalyse zum Projektauftakt
Zum Auftakt des Projekts vhs-Ehrenamtsportal wurde nach digitalen (Lern-)Angeboten recherchiert, die sich gezielt an Ehrenamtliche in der Arbeit mit Geflüchteten richten. Dabei bezog sich die Marktanalyse aufgrund der ursprünglichen überwiegend auf Angebote im Bereich der Sprachvermittlung.
Die Ziele der Marktanalyse waren die Positionierung des vhs-Ehrenamtsportals in Abgrenzung zu bestehenden Angeboten, die Identifikation möglicher Kooperationspartner sowie Expertinnen für Interviews.

 

Cultural Probes zur Interviewvorbereitung mit der Zielgruppe ‘Ehrenamtliche/-r’
Zur Vorbereitung von Interviews erhielten Ehrenamtliche ein ‘Ehrenamtstagebuch’. In einem Zeitraum von 2-3 Wochen hatten sie die Möglichkeit durch Triggeraufgaben ihre Tätigkeiten und damit verbundene Ziele oder Herausforderungen intensiv zu reflektieren.
Das Ziel dabei war es prozesshafte Einblicke in das Ehrenamt zu erhalten. Weiter lieferten diese Eindrücke eine gute Grundlage für das Führen von Tiefeninterviews.

 

Personas erstellen zur besseren Greifbarkeit einer heterogenen Zielgruppe
Aus den Eindrücken und Erkenntnissen von zwölf Ehrenamtsinterviews wurden Personas entwickelt.
Personas sind prägnante Beschreibungen von fiktiven Personen, die auf Aussagen von echten Personen beruhen und eine bestimmte Nutzergruppe greifbar repräsentieren.

Das Ziel der Entwicklung von Personas war es im Team ein gemeinsames Bild der heterogenen Zielgruppe zu entwickeln. Weiter stellen diese auch eine Grundlage für externe RedakteurInnen des vhs-Ehrenamtsportals dar, um möglichst nutzerzentrierte Angebote zu schaffen.


Papier-Prototypen zur frühen Überprüfung einer Konzeptidee
Zum Einholen von Feedback auf eine erste Idee eines Austauschkonzepts wurde ein Papier-Prototyp entwickelt. Dieser wurde Ehrenamtlichen vorgelegt und zuerst eine freie Interaktion angeregt und schließlich strukturiert Rückfragen gestellt.
Das Ziel des frühen Einsatzes von Papier-Prototypen ist es Nutzenden die Möglichkeit des Mitwirkens und gehört werdens klar zu symbolisieren, da die Prototypen nicht ‘fertig’ sind und leicht gemeinsam angepasst werden können.

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